Für Brandenburg waren die Vorteile dieses Kanals damals nicht
groß genug, zumal der Kurfürst eine andere Handelspolitik befolgte
und ... den Handel seines Landes mit Stettin begünstigte. Unter seinem
Nachfolger wurde der Handelsweg von Berlin nach Frankfurt [Oder] dadurch
verbessert, daß oberhalb Fürstenwalde nach Erbauung der dortigen
Schleuse die Spree durch einen kurzen Kanal mit dem Kersdorfer See verbunden
wurde. An dem See legten die Frankfurter eine Niederlage an und der Landweg
von dort bis Frankfurt betrug nur noch etwa 23 km, während von Fürstenwalde
früher etwa 38 km zurückzulegen waren. So ruhte der Kanalbau
fast 100 Jahre lang, bis Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst,
nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges wieder an die Arbeit
ging. Unterdessen hatten sich die Handels- und Verkehrsverhältnisse
verändert und besonders die inzwischen entwickelte Elbeschiffahrt
drängte den Kurfürsten zur Herstellung des Kanals.
Seit 1540 hatten sich die Brandenburgischen Kurfürsten gemeinschaftlich
mit den Kaisern Ferdinand I. und Maximilian II. (wegen Böhmens) bemüht,
die Elbeschiffahrt von den lästigen Fesseln der übermäßigen
Zölle, Stapel- und Umladerechte zu befreien oder diese doch zu erleichtern.
Aber Lüneburg leistete hartnäckigen Widerstand, und als die Hamburger
eigenmächtig selbst bis Magdeburg vordrangen, erhöhte Lüneburg
seine Elbzölle in Bleckede und Schnackenburg und ließ die Schiffe
zuweilen gewaltsam anhalten, ausladen und die Waren nach Lüneburg
bringen. Schließlich griff die kaiserliche Gewalt ein und die Schiffahrt
wurde 1574 für frei erklärt. Abwärts von Magdeburg war sie
es hinfort auch in Wirklichkeit und die Bedeutung dieser Stadt nahm dadurch
namentlich für den Handelsverkehr nach dem Osten zu: schlesische und
polnische Waren gingen hinfort oft über Land nach Magdeburg, ohne
die Mark zu berühren.
Oberhalb Magdeburg war Dresden seit 1443 im Besitz des Stapelrechts.
Der Handelsverkehr zwischen Dresden und Hamburg nahm allmählich zu
und während des dreißigjährigen Krieges durchfuhren sächsische
Schiffer sogar Magdeburg, ohne dessen Stapelrecht zu achten. Im Jahre 1666
fiel diese Stadt an den Kurfürsten von Brandenburg, der alle ihre
Vorrechte und besonders auch das Stapelrecht bestätigte. … |
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