… Trotzdem entwickelte sich der unmittelbare Schiffsverkehr zwischen
Dresden und Hamburg mehr und mehr und ein Teil des schlesischen und polnischen
Handels bevorzugte den Weg über Dresden, indem der alte Weg durch
die Mark Brandenburg aufgegeben wurde.
Der Kurfürst erkannte, daß nach Herstellung des Kanals zwischen
Spree und Oder dieser Handel veraussichtlich wieder vollständig durch
sein Land und über Berlin geleitet werden könnte, um so mehr
als inzwischen auch die Schiffahrtverhältnisse auf der Oder sich seit
jenem ersten versuchten Kanalbau wesentlich verbessert hatten. Nach dem
oben erwähnten Vertrage von 1555, der 1567 und 1585 erneuert war,
hatte der Verkehr zwischen Breslau und Frankfurt wenigstens zum Teil den
unnatürlichen Landweg verlassen und war auf den Strom übergegangen.
Auch die Fahrten von Stettin nach Breslau nahmen zu. Dazu kam, daß
Ferdinand II. sich bei dem Brandenburgischen Kurfürsten sehr um die
Freigebung des Stromes für die Breslauer Schiffer bemüht und
trotz des Widerstandes der Stadt Frankfurt, die sich in ihrem Stapelrecht
bedroht sah, auch erreicht hatte, daß im Jahre 1638 die bedingte
und im Jahre 1657 die unbedingte Freiheit des Stromes auf je 10 Jahre bewilligt
wurde. Infolgedessen war um die Mitte des 17.Jahrhunderts der Schiffahrtverkehr
zwischen Frankfurt und Breslau schon recht bedeutend und die im Jahre 1648
von der Stadt Breslau an den Kurfürsten gerichtete Bitte um Herstellung
des fraglichen Kanals wohl begründet.
Schließlich veranlaßte die Erbitterung gegen die Schweden
und die Abneigung gegen die von jenen besetzte Stadt Stettin den Kurfürsten,
mit dem Bau vorzugehen. Im Jahre 1653 wurde der Entwurf aufgestellt und
1662 unter Leitung des italienischen Ingenieurs und Kammerjunkers Philippe
de Chiese mit den Erdarbeiten begonnen. Die Herstellung von 10 Schleusen
und 6 Brücken wurde an den holländischen Schiff- und Mühlenbaumeister
Michael Schmidts für 90000 Mark verdungen, der kurz vorher (1657)
die neue Schleuse in Berlin gebaut hatte. |
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