Muskauer Park/Park Muzakowski (Informationen 1/11 zu Bild 9) Zum Verzeichnis der Informationenzum Bild zurück
   
Bau und Pflege von Freianlagen (Quelle)
Zur Entwicklung von Garten - Park - Freiraum / Michael Gotschika

Der Garten ist entwicklungsgeschichtlich gesehen Lebensquell und Kulturträger zugleich; er ist der Natur, der Landschaft, abgerungen, er ist nicht Antipode zur Natur, wie es in letzter Zeit oft zu hören war, sondern Ergänzung zum natürlichen und lebensnotwendigen Freiraum für Produktion und immer mehr für reproduktive Zwecke. Und an den Schauplätzen geschichtlicher Hochkulturen entstaden Parks als signifikante Kunstobjekte landschaftsgärtnerischer Gestaltung. Als dann die Bürger sich öffentliche Parks und Gartenanlagen, Spiel- und Sportplätze, Friedhöfe und Stadtplätze bauten und auch Maßnahmen der Landschaftsverschönerung einleiteten, galten zunächst die herrschaftlichen Gärten und Parks als Vorbild. Das Wirken von so bedeutenden Gartenkünstlern wie Le Nôtre, Kent, Repton, Eyserbeck, von Sckell, Lenné, Fürst Pückler und Vorherr ist kennzeichnend für die Phase der Gartenkunst im Übergang zum öffentlich-kommunalen Aufgabenbereich, der Gestaltung öffentlicher Freianlagen aller Art mit bau- unnd vegetationstechnischen Mitteln. 

Die Entstehung und Vervollkommnung von künstlerisch bedeutenden Gärten, Höfen und Parks erfolgte nie isoliert von der allgemeinen Entwicklung. In Phasen kultureller Blüte sind an den geschichtlichen Schauplätzen stets auch herausragende Werke gärtnerischer Leistungen nachweisbar. Allerdings ist der Quellenhinweis über die frühen Schöpfungen der Gartenkunst schwieriger als bei Werken anderer Künste, bedingt durch die rasche Vergänglichkeit bzw. Veränderbarkeit von Gärten und Parks. So sind von der Antike bis ins Mittelalter gartenkünstlerisch herausragende Schöpfungen eigentlich nur über die Literatur oder als Hintergrundszenerie von Abbildungen überliefert. Die Spuren antiker Tempel-, Palast- und Philosophengärten und auch mittelalterlicher Burg-, Kloster- und Bürgergärten sind verwischt, nicht mehr nachprüfbar. Manche gartenkünstlerisch konstruktive und ausführungstechnische Besonderheiten wie die sog. hängenden Gärten des Nebukadnezar, auch der Semiramnis zugeschrieben, sind sagenumwoben, in der Antike als siebtes Weltwunder eingestuft.