Muskauer Park/Park Muzakowski (Informationen 2/11 zu Bild 16) Zum Verzeichnis der Informationenzum Bild zurück
   
Einzelne Gartenelemente früherer Epochen wie Terrassen, Höfe, Wasserspiele, Treppen oder Treillagen, z.B. an der Alhambra oder an der Villa d'Este oder an einigen Klöstern sind wohl nur deshalb uns überliefert, weil sie in Verbindung mit den Gebäuden aufgrund des verwendeten Materials und ihrer Bauweise den Zeitläufen standgehalten haben. Die Gartenanlagen des mittelalterlichen Abendlandes werden weitgehend geprägt vom christlichen Kulturkreis, beeinflusst formal durch antike Vorbilder. So weist M. Gothein nach, dass die frühmittelalterlichen Kosteranlagen ähnlich wie beim Peristyl hofartig gruppiert, also ganz nach innen gerichtet, gebaut waren. In den umbauten Hofräumen konnte sich weltabgeschieden u.a. eine lebhafte Gartenkultur entwickeln, wobei weniger über den meist statischen Grundriss nachgedacht wurde als vielmehr über die Pflanze selbst, über ihren unerschöpflichen Formenreichtum, ihre Heilkräfte und den ihr zugeschriebenen Symbolwert. Über die inhaltliche und formale Idealvorstellung einer Klostergartenanlage gewinnt man einen Eindruck von dem in der Bibliothek St. Gallen aubewahrten St. Galler-Klosterplan aus dem 8. Jahrhundert. 

Gemessen an den Klosteranlagen waren die räumlich beengten Burggärten der mittelalterlichen Schloss- und Burgherren bescheidene Rosen- und Blumengärten. Aus zahlreichen Abbildungen und noch mehr schriftlichen Überlieferungen geht aber hervor, welch vielfältige Nutzung es bei diesen Burggärten gab: als Liebesgarten mit Lauben und Pergolen, als Gelehrtengarten mit befestigten Wegen und Plätzen für stilles Wandeln oder Gelehrtendisput, als Kräutergarten, als Nutz- und Kulturgarten gleichermaßen. Mit der Renaissance, die in der Toskana ihren Ausgang nahm, setzt nicht nur eine geistige und in der Folge eine kulturelle Erneuerung ein, sondern es ist ein epochaler Neubeginn, der gesellschaftliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Veränderungen in ganz Europa bewirkte. Die Rückbesinnung auf antike Vorbilder in der Kunst, in der Architektur überhaupt, führte zu einer genialen Ausdrucksform auf allen Gebieten der Kunst. Auch die barocken Bauten und Gärten wären ohne die geistige Erneuerung der Renaissance nicht denkbar.