| Einzelne Gartenelemente früherer Epochen wie Terrassen, Höfe,
Wasserspiele, Treppen oder Treillagen, z.B. an der Alhambra oder an der
Villa d'Este oder an einigen Klöstern sind wohl nur deshalb uns überliefert,
weil sie in Verbindung mit den Gebäuden aufgrund des verwendeten Materials
und ihrer Bauweise den Zeitläufen standgehalten haben. Die Gartenanlagen
des mittelalterlichen Abendlandes werden weitgehend geprägt vom christlichen
Kulturkreis, beeinflusst formal durch antike Vorbilder. So weist M. Gothein
nach, dass die frühmittelalterlichen Kosteranlagen ähnlich wie
beim Peristyl hofartig gruppiert, also ganz nach innen gerichtet, gebaut
waren. In den umbauten Hofräumen konnte sich weltabgeschieden u.a.
eine lebhafte Gartenkultur entwickeln, wobei weniger über den meist
statischen Grundriss nachgedacht wurde als vielmehr über die Pflanze
selbst, über ihren unerschöpflichen Formenreichtum, ihre Heilkräfte
und den ihr zugeschriebenen Symbolwert. Über die inhaltliche und formale
Idealvorstellung einer Klostergartenanlage gewinnt man einen Eindruck von
dem in der Bibliothek St. Gallen aubewahrten St. Galler-Klosterplan aus
dem 8. Jahrhundert.
Gemessen an den Klosteranlagen waren die räumlich beengten Burggärten
der mittelalterlichen Schloss- und Burgherren bescheidene Rosen- und Blumengärten.
Aus zahlreichen Abbildungen und noch mehr schriftlichen Überlieferungen
geht aber hervor, welch vielfältige Nutzung es bei diesen Burggärten
gab: als Liebesgarten mit Lauben und Pergolen, als Gelehrtengarten mit
befestigten Wegen und Plätzen für stilles Wandeln oder Gelehrtendisput,
als Kräutergarten, als Nutz- und Kulturgarten gleichermaßen.
Mit der Renaissance, die in der Toskana ihren Ausgang nahm, setzt nicht
nur eine geistige und in der Folge eine kulturelle Erneuerung ein, sondern
es ist ein epochaler Neubeginn, der gesellschaftliche, wirtschaftliche,
wissenschaftliche und kulturelle Veränderungen in ganz Europa bewirkte.
Die Rückbesinnung auf antike Vorbilder in der Kunst, in der Architektur
überhaupt, führte zu einer genialen Ausdrucksform auf allen Gebieten
der Kunst. Auch die barocken Bauten und Gärten wären ohne die
geistige Erneuerung der Renaissance nicht denkbar. |
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